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Mein Leben
Es erstaunt immer wieder, wie wenig hierzulande über das Leben und Wirken meiner Person, des wohl bedeutendsten Mannes der Geistesgeschichte unseres Jahrhunderts, bekannt ist, gelte ich doch unter Experten als der wahrscheinlich letzte Universalgelehrte der Menschheitsgeschichte, der praktisch in jedem Teilgebiet der modernen Wissenschaft monumentale Gesamtkonzeptionen interdisziplinärer Methodik, Polysubkoordination und Extrapektinensubsidiarität verfasste. 1. Geburt und frühe Kindheit (1940 - 1947) Ich erblickte bezeichnenderweise auf einem Schiff das Licht der Welt (20.02.1940), ein Omen für die multinationale Bedeutung meines Lebens. Von dem ebenfalls auf diesem Schiff befindlichen A. Einstein wird überliefert, dass er beim Anblick des Neugeborenen mit andächtigem Gesicht gesagt haben soll "Das wird mal einer.". Nach diesem Ritterschlag durch den von mir nun endgültig abgelösten Geistesheroen war mir die akademische Laufbahn schon in die Wiege gelegt. Meine gerühmte Vielsprachigkeit führen viele neuere Hirtemann-Biographen auf meine Mutter zurück. Diese war Köchin auf dem Kreuzfahrtschiff und bekochte im Laufe ihres Lebens viele der Nachwelt trotz ihrer eminenten Bedeutung leider nicht namentlich überlieferte Matrosen aus verschiedenen Kulturnationen.Nachdem ich durch unglückliche Umstände mit 5 Jahren das Auslaufen des Schiffes verpasste, musste ich mich eine Zeitlang in Marseille als ganz leichter Matrose durchschlagen, woraus die umstrittene Lebensbeschreibung "Hans Hirtemann-Sein Kampf Untertitel: Komplementärbeschreibung eines sklerotischen Metonyms" Rückschlüsse auf die permanent vorhandene Fixierung auf Vaterfiguren zog. Tatsache ist, dass ich eines Tages wie durch ein Wunder in einem Heizungskeller an der Sorbonne erwachte und dort im zarten Alter von 7 Jahren als jüngster Student meine Forschungen begann. Meine erste wissenschaftliche Arbeit, die in Fachkreisen für Aufruhr sorgen sollte, wurder ein Jahr später unter dem Titel "Ventose a`pres de la Victor Hugo" veröffentlicht und brachte mir mehrere Orden und 4 gebrochene Rippen sowie diverse Schädelprellungen bei dem Versuch ein, die Richtigkeit meiner Thesen gegenüber meinem Doktorvater mit einem Eispickel zu untermauern. |
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2. Die Rückkehr zu meiner Familie (1947 - 1950) Inzwischen hatte sich nun auch mein Vater gemeldet, nicht weil er seinen Pflichten nachkommen wollte, sondern weil er Geld geschnuppert hatte. Er und meine Mutter reichten mich stolz herum und kassierten die Zeitungshonorare und diversen Stipendien. Dass sie mir damit keinen Gefallen taten, will ich nun näher erläutern. Sie nahmen all mein Erspartes und mehrere Kredite auf und kauften sich ein kleines Häuschen in der Lüneburger Heide. Zu allem Überfluss nahmen sie auch noch meine Großmutter und meinen Großvater zu sich. Mein Großvater lebte nicht mehr lange, gab mir aber während unseres kurzen Zusammenseins einige wertvolle Weisheiten mit auf den Weg und inspirierte mich zu manchem Experiment (leider war er auch für verschiedene langjährige Ängste und Launen meinerseits verantwortlich, aber auch das will ich noch erzählen). Zum Beispiel hämmerte er mir ein, dass jedes Tier und auch jede Pflanze eine eigene Persönlichkeit sei und eine Seele hätte, was dazu führte, dass ich bald an keinem Strauch, keiner Blume, keinem Huhn und keinem Insekt mehr vorbeigehen konnte, ohne "Guten Tag" zu sagen. Dies ging einige Monate so, bis ich ihn in der Küche überraschte, als er mit gierigen Fingern die Reste eines Brathühnchens verschlang. Ausserdem sagte er immer zu mir, einen verächtlichen Blick auf meine Mutter werfend, "Menschen sollten sich fürs Leben paaren, so wie Graugänse oder Katholiken". Dass ich ihm Jahre später mit meiner Heidi in dieser Richtung eine große Freude machen würde, hat er nicht mehr erlebt. Jedoch noch meine kleine Graugansherde, die ich mir zur Beobachtung seiner Theorie anschaffte. Ich wollte herausfinden, ob diese schnatternden Gesellen wirklich treu waren. Anfangs sah es ganz danach aus, doch als ich eines Tages unter dem Bett meines Vaters ein buntes Magazin fand, auf dessen Seiten lächelnde Frauen mit halbgeschlossenen Augen in wenig Wäsche posierten und die Kommentare der dazu abgebildeten Männer las, kam mir eine Idee. Ich bat meine Großmutter, einige hübsche rote Wäscheteilchen zu häkeln, um sie den Gänsedamen anzuziehen und zu beobachten, wie die Männchen wohl reagieren würden. Leider kam es nicht mehr dazu. Denn als die verrucht geschmückte Gruppe vor unserem Haus auf und ab stolzierte, beschlagnahmte man sie als Beweismaterial und nahm meinen Vater in Gewahrsam. Zwei Tage später entließ man ihn aber wieder auf freien Fuß, seine Aussage, dass er das letzte Mal in einer Frau war, als er vor Jahren in der Freiheitsstatue zur Sightseeing-Tour war, konnte nicht entkräftet werden. Die Gänse verblieben jedoch auf dem Revier. Mein Opa wurde immer seltsamer. Er trug nun Tag und Nacht einen Hut und bewahrte Konservendosen drunter auf, weil er für schlechte Zeiten gewappnet sein sollte. Als er einmal am Türrahmen hängenblieb und die Dosen samt Hut herunterpurzelten, beschloss er, dass das ein Zeichen Gottes sein musste und begann, ununterbrochen in der Bibel zu lesen, um sich für das Jüngste Gericht vorzubereiten. Meine Großmutter konnte das nicht mitansehen und versuchte ihn auf ihre unnachahmliche Weise, davon abzubringen, indem sie sagte, die Bibel sei abzulehnen, weil sie eine völlig unglaubwürdige Hauptperson habe. Daraufhin offenbarte er ihr, und das waren seine letzten Worte an sie, dass er eigentlich fünf Jahre älter sei, als er ihr immer gesagt hatte, und doch eine Menge Geld von seinen Eltern geerbt hatte, welches er aber so gründlich vergraben hatte, dass er es nie wieder auffinden konnte. Seine letzen Worte auf dem Sterbebett waren: "Da ich nun nur noch zwischen euch und dem Tod wählen kann, will ich einmal im Leben Glück haben". Ich war inzwischen 10 Jahre alt geworden und hatte ein weiteres Werk verfasst, das bald für internationalen Aufruhr sorgen sollte: Trieur trilobital et tamponage trichine. Es war meine erste umfangreiche philosophische Abhandlung und beschäftigte sich mit dem Sein und dem Nichts. Die Offenbarung des Universums als einer komplexen Idee seiner selbst im Gegensatz zum scheinbaren Sein in oder außerhalb des wahren Seins von sich ist in und durch sich ein begriffliches Nichts oder ein scheinbares Nichts in Beziehung zu jeder abstrakten Form des Seienden oder Sein-Sollenden oder in Ewigkeit Existiert-Habenden, und den Gesetzen des Physikalischen oder der Bewegung oder der Vorstellung in bezug auf die Nicht-Materie oder das Fehlen objektiven Seins oder objektiven Andersseins nicht unterworfen, das war die Kernaussage, die mein Vater aber als lächerlich hinstellte, aber was zählt schon die Kritik eines Mannes, dessen größte Freude im Leben es war, Frauen mit Gummistiefeln zu zählen, wenn er durch die Straßen wanderte. Meine Großmutter indes verfiel auf die Idee, dass das Sein nichts anderes sei als der farbige Traum eines verfressenen Mopses. 3. Die fingierte Entführung und der Beginn meines wissenschaftlichen Daseins in London (1950) Ich musste weg hier. Und so fingierte ich eine Entführung. Der ganze Aufwand wäre jedoch gar nicht nötig gewesen, denn anstatt eine Vermisstenanzeige aufzugeben, annoncierten meine Eltern in der Zeitung "Zimmer zu vermieten". Die schockierte mich zunächst doch ein wenig, während ich mich in unserem Keller versteckt hielt, mich von Großvaters Konservendosen ernährte und aus seinen Magazinen Buchstaben für die geheimen Botschaften des Entführers an meine Eltern ausschnitt, damit mein Verschwinden wenigstens glaubwürdig war. Den geringen Erfolg dieser Aktion wegen der Ignoranz meiner Eltern (selbst noch als ich ihnen im Namen des Entführers Picassos Ohr schickte,ja, sie haben schon richtig gelesen, es war nicht van Gogh, es handelt sich um einen Betrug, den ich demnächst auch noch aufklären werde!, welches mein Großvater als Reliquie in seinem alten Koffer aufbewahrte und als mein eigenes präsentierte) habe ich ja schon angedeutet und so beschloss ich, dieses Kapitel meines Lebens endgültig abzuschließen. Ich war mit zehneinhalb nun wirklich alt genug, mein Leben in die eigene Hand zu nehmen, ich schnappte mir Großvaters Koffer mitsamt seinen vielen interessanten Geheimnissen, packte ein paar der Konservendosen hinein, deren Verfallsdatum erst 2 Jahre überschritten war (ich war inzwischen regelrecht süchtig danach, denn nach dem Verzehr hatte ich immer sehr intensive und anregende Träume), gab Agnes, meiner liebsten Kakerlake, noch einen Kuss und schlich mich davon, mit diesem Schritt meine Kindheit hinter mir lassend. Die dringendste Frage war nun, wohin mich diese Reise denn führen sollte. Ich war mir schon sicher, auch eingedenk des Einsteinschen Ausspruches, dass Wissen und Wahrheit die tragenden Säulen meines Lebens werden sollten und nach beidem wollte ich mit aller Kraft streben. Sollte ich wieder zurück nach Paris, um vielleicht die begonnene Studien der weiblichen Anatomie fortzusetzen ? Oder lieber der dringenden Bitte des MIT entsprechen und den dortigen Wissenschaftlern meine Entwicklung eines ausschließlich mit reiner Luft betriebenen Motors vorstellen ? Die Offerte des CIA, der mich als Chef von Area 51 gewinnen wollte, erschien mir andererseits zu unspektakulär. Schon seit längerer Zeit beschäftigte mich damals die Frage, ob das Strophantin subatomarer Geodäsie der enthalpischen Gambitanomalie komplementär sei, wofür sicher die Leningrader Lomonossow-Universität das beste Forschungspflaster bieten würde. Leider hatten mich die 4 vom KGB verursachten Anschläge auf mein Leben (die Russen nahmen an, dass die Amerikaner mein Können für den Kalten Krieg nutzen könnten) etwas voreingenommen gemacht, obwohl.....die eine Agentin mit der Kettensäge.....hmmmm..... Aber trotzdem entschied ich mich doch, in der westlichen Hemisphäre zu verweilen und da ich das Wasser schon immer sehr liebte, sparte ich Geld, schwamm durch den Ärmelkanal nach London und machte mich auf den Weg nach Oxford. 4. London und meine ersten nudistischen Gehversuche (1950 - 1958) Der Zufall wollte es, dass ich gleich an meinem ersten Tag dem Rektor der Universität und späterem väterlichen Freund Prof. Dr. Sir Thomas Hutchence vors Auto lief, weil mein Magen das englische Ale nicht vertrug, ich zu seiner Beruhigung eine der großväterlichen Konservendosen geöffnet hatte und deswegen seinen Wagen für ein süßes, rotbraunes Pony hielt, welches ich selbstverständlich begrüßen musste. Ich bekam ihn einige Wochen nicht mehr zu Gesicht, zum einen, weil ich bewusstlos in seinem Wohnzimmer lag, zum anderen, weil er in meinem Reisegepäck gestöbert und meine Werke gefunden hatt, vor allem das neueste Manuskript namens "Existenzialismus als Chimäre des hypochondrischen Optativs unter Dispersion rhinitischer Antihistaminika" in der ich die grundlegenden Fehler der abendländischen Philosophie von Platon bis Nietzsche zur Sprache brachte und selbst für Laien leicht verständliche Alternativen aufzeigte. Dies ist eines meiner Frühwerke, die bis heute wegen ihrer grundlegenden Kritik unterdrückt und bekämpft werden, mir damals jedoch die Freundschaft und Bewunderung vom Sir Thomas Hutchence eintrugen, der mir sogar seine 17jährige Tochter zur Weiterverfolgung meiner in Paris begonnenen Studien anbot, was ich ich nach kurzer Betrachtung des Verhandlungsgegenstandes aber entschieden ablehnen musste, ihn aber nicht sonderlich zu überraschen schien und unsere langjährige Freundschaft nie beeinträchtigen sollte, auch wenn Claire selbst mich in den folgenden Wochen immer öfter mit Geld, welches sie ihrem Vater gestohlen hatte, zu bestechen suchte. Inzwischen glaube ich, der Grund für ihre Aufdringlichkeit wahrscheinlich darin lag, daß sie mich in meiner bewusstlosen Phase einige Male baden musste. Noch heute bin ich froh, dass meine Ohnmacht sehr tief war. Dies war das erste aus einer Unzahl von ähnlichen Erlebnissen, die ich mit dem anderen Geschlecht im Laufe der Jahrzehnte haben sollte. Genauer gesagt, verfolgen mich diese Situationen sogar geradezu ohne dass ich sie absichtlich provozieren würde. Es beweisst mir aber auch, dass Frauen entgegen landläufiger Meinung doch sehr wählerisch sein können und sich nicht mit dem Erstbesten zufriedengeben. Nein, Intelligenz und äussere Schönheit sollten Hand in Hand gehen und das scheint mir der Hauptgrund für meine ausserordentliche Wirkung auf weibliche Wesen zu sein. Dazu kommt noch, dass sie auch schiere Grösse bestimmter körperlicher Merkmale beeindruckt, was mir vor allem seit der Zeit, in der ich mich zum konsequenten Nudisten wandelte, bewusst wurde. Schon in jener Zeit in England, als ich mehr und mehr der Jugend im geradezu wörtlichen Sinne entwuchs, beschlich mich oft das Gefühl, ich müsste mich all meiner Kleidung entlegen, es war, als ob ich sonst ersticken würde und dem nur durch Nacktheit entgehen könne und ganz besonders erfasste mich diese Stimmung, wenn ich unter vielen Menschen weilte. Dies war auch der Grund, warum Prof. Hutchence mich nach einem halben Jahr nicht mehr auf seine Abendgesellschaften einlud, und ich habe ihm das auch bald verziehen, denn es schien mir letzten Endes eine notwendige Reaktion zu sein. Der Grund waren weniger meine immer häufigeren Entkleidungen als vielmehr die Reaktionen der geladenen Gäste. Jedesmal war es dann so, dass die Männer einsam im Kreis saßen und an ihrem Ale nippten, während sich um mich eine Traube erhitzter und mir eindeutige Blicke unter die Gürtellinie zuwerfender Frauen bildete, ganz zu schweigen von einigen verwegenen Damen, die ihre brillantberingten Hände zu Probegriffen benutzten. Man möge mir verzeihen, dass ich das durchaus nicht als grundsätzlich unangenehm empfand und entsprechend darauf reagierte, schliesslich ist dies genauso natürlich wie die Nacktheit. Leider kam es dann schnell zu einigen Hyperventilationen und hysterischen Ausbrüchen, von denen allerdings nicht nur die Damen betroffen waren. Die Folge waren auch einige ernsthafte Ehekrisen, in denen sich die Ehemänner ständiger Vorwürfe und Beleidigungen ihrer Frauen ausgesetzt sahen, und die dann darauf so zu reagieren suchten, dass sie den Abendgesellschaften fernbleiben wollten, dabei aber nicht mit ihren Ehefrauen gerechnet hatten, denen die Treffen mit mir sukzessive einem Lebensinhalt wurden. Ich versuchte durch gute Ratschläge, etwa den, sich doch daheim auch ein paar Tage in der Woche nudistisch zu betätigen, die Wogen zu glätten, aber nachdem auch Heather, Thomas Hutchence Frau, begann, ihm Vorwürfe zu machen und unangemessene Vergleiche mit mir anstellte, die ja nur in Depressionen enden konnten, beschloss er, diese Abendgesellschaften bis auf weiteres ohne mich durchzuführen. Das Ergebnis war aber, dass die Männer wieder unter sich waren, während ihre Frauen mein Zimmer belagerten. Schon nach kurzer Zeit war ich gezwungen, regelmässig mein Türschloss auszuwechseln, da Heather und Claire jede Nacht versuchten, mit nachgemachten Schlüsseln in mein Gemach einzubrechen. Zum Glück störte dies meinen Gastgeber nicht so, denn er war durch und durch Wissenschaftler, dem Geist und dem Denken allein zugeneigt, was ich als eine unnötige und nachteilige Beschränkung empfinde. Ich glaube, nur durch die Zuwendung auch zu seinem Körper, respektive einem oder mehreren anderen, gewinnt man den für geniale Einfälle notwendigen Freiraum und ich bin dafür ja das beste Beispiel. Frustrationen und Unfreiheit auf diesem Gebiet wirken sich immer nachteilig aus, ein Rat, den ich auch versuche, gerade an meine jüngeren Nachfolger weiterzugeben, wobei mir klar ist, dass sie ihr Vorbild nie erreichen werden. Ich weiss, dass mich viele immer um diese Erfolge beneideten, aber wie ich eben schilderte, brachte es unter Umständen auch einige Unannehmlichkeiten mit sich und zwar nicht zuletzt für die jeweilige Frau, denn in 99% der Fälle erwies sich, dass, wie man so zu sagen pflegt, ihre Augen grösser waren als der Mund. Es ist eine sehr schwere und auch stellenweise schmerzliche Angelegenheit, die passende und perfekte Partnerin für alle Lagen und Stellungen des Lebens zu finden und noch sollte es ein paar Jahre dauern, bis ich diesen glücklichen Tag erleben durfte, da meine liebe Heidi ihren ersten Auftritt auf der Bühne meines Lebens haben sollte. Deshalb auch mein Rat an alle Frauen; geben Sie sich auch mit unterem Mittelmass zufrieden, es könnte sein, dass Sie sich überschätzen. Es ging mir nie nur um die einmalige Befriedigung eines Wunsches, meine Ansprüche und Anforderungen waren schon immer sehr hoch und fast alle scheiterten daran. Leider erwiesen sich die Frauen nicht als sehr lernfähig, und so ist es für uns bis heute noch ein Problem, wenn wir Besuch von Freunden oder Kollegen und deren Frauen bekommen, da wir auch nicht mehr bereit sind, Konzessionen zu machen und konsequent nackt bleiben. Manchmal bewundere ich meine liebe Heidi dafür, wie sie mit diesen manchmal peinlichen Anbiederungsversuchen umgeht, aber sie weiss ja, dass und warum ich nur sie liebe. Aber gehen wir zurück nach England, da ich auch in seinem Haus vor den Frauen, nicht zuletzt seiner Frau und seiner Tochter mehr sicher war, besorgte mir Prof. Hutchence eine kleine Blockhütte in einem Wald ausserhalb der Stadt, ihm lag vor allem auch daran, dass ich mit den Arbeiten an meinem „Odium" begann, dessen erster Band schon lange in meinem Geist Formen anzunehmen begann. Da mein Gönner zwar meine wissenschaftlichen Fähigkeiten bewunderte, sich im Umgang mit Geld jedoch seiner Abstammung gemäß als Schotte erwies, war ich gezwungen, mir die notwendigen finanziellen Mittel auf andere Art und Weise zu besorgen. Die eine schon angedeutete Einnahmequelle, die feinen Damen der gehobenen Gesellschaft, die mir manches Pfund zusteckten, nachdem sie mich einmal berührt hatten, konnte meinen Bedarf leider nicht decken und so griff ich zu einer Notlösung, die sich jedoch bald als Renner erwies und weltweit durchsetzte. Um diese Zeit entstanden die ersten grossen Einkaufszentren und mit ihnen die Einkaufswagen, die man erst durch Einlegen eines Geldstückes aus ihrer Halterung nehmen konnte. Ich prägte einige Tausend in Form und Gewicht echtem Geld täuschend ähnlich sehende Metall- später Plastikstücke, lieh mir einen Wagen, tat täglich vor dem Supermarkt einige Stunden so, als ob ich ihn gerade zurückbringen wollte und kassierte von den Einkaufenden das Geld, da sie ja meinten, in meinem Wagen befände siche ebenfalls eine Münze. Sie mögen vielleicht sagen, dies könne man als Betrug ansehen, aber überlegen sie doch, welche Vorteile diese Chips haben und wie oft Sie sie bei Kleingeldmangel selbst benutzen. Sehen Sie, und ich habe sie erfunden, in Umlauf gebracht und damit gleichzeitig die finanzielle Grundlage für das von Ihnen so geliebte und verehrte „Odium Quadruplum" geschaffen, also ich kann nichts Negatives an meiner Handlungsweise entdecken. Allerdings waren auch diese Einnahmen nur temporär, weil bald jeder schon einen Chip besass. 5. Erste Erfolge als Künstler und Wissenschaftler (1958 - 1960) Da meine Beliebtheit in der Stadt inzwischen aber ins Unermessliche gestiegen war, was speziell mit den begeisterten Schilderungen einiger Frauen zusammenhing, wurde ich vom Intendanten des örtlichen Theaters gebeten, doch mein bekanntes Hobby, das Ballettanzen, der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen. Ich willigte ein und tanzte wochenlang vor ausverkauftem Haus den „Schwanensee", natürlich nackt (das war meine Vorbedingung gewesen), sanierte so den öffentlichen Kunstbetrieb in England und konnte auch noch einige höheren Töchtern, die immer von ihren Müttern begleitet wurden, Ballettunterricht geben. Ich gab prinzipiell immer mindestens 5 Mädchen gleichzeitig Unterricht, um die grosse Nachfrage zu befriedigen, und ich möchte anmerken, dass keine einzige zu kurz gekommen ist. Leider begann sich nach einiger Zeit meine Herkunft herumzusprechen, und die Mädchen begannen damit, mir falsche Schnauzbärte und Lederpeitschen mitzubringen, um, wie sie sagten, den Unterricht interessanter zu gestalten. Auch wenn ich die teils pädagogische Komponente bestimmter Gegenstände nicht zu leugnen vermochte, widerstrebte es doch meiner sich gerade ausbildenden Nudistenhaltung, mehr Haare als nötig am Körper zu tragen. So sah ich mich gezwungen, den Unterricht und auch die Auftritte einzustellen, was vor allem die Damenwelt aufs Höchste erregte und dazu führte, dass sie begannen, sich von den anderen, sie umgebenden und sie im Gegensatz zu mir nur zu langweilen scheinenden Männern, abzukapseln und zurückzuziehen. Daraus entstanden dann zwei verfeindete Gruppen von Frauen, die beide bei mir um Rat nachsuchten, wie sie denn die zukünftige Zeit ohne mich und meine multiplen Lektionen überstehen sollten. Den physisch dominanteren gab ich den Rat, doch ihr Energien körperlich andersweitig auszuleben, aus dieser Gruppe ging dann die erste Schlammcatcherinnen-Liga hervor, die anderen beschlossen, sich den Genüssen (die sie ja in vollendeter Form nicht mehr haben konnten) ganz zu entsagen und stattdessen den anderen Männern deren Unzulänglichkeiten vorzuhalten., so entstanden die ersten Feministinnen-Zirkel. Hierzu trug auch eine französische Austauschdozentin bei, die mich im Hause der Hutchences kennenlernte, mich aber in vielerlei Hinsicht falsch interpretierte, so meine eher scherzhafte Definition meiner derzeitigen Lebensphilosphie als „Sexistenzialismus". Simone -so wurde sie mir vorgestellt- recherchierte gerade für ein Buch über Frauen, an dem sie arbeitete und vermeinte, in meinem Umfeld dafür genügend Material zu finden. Leider -das muss ich sagen- hat sie mich wohl in mancherlei Hinsicht nicht verstanden und sich dann auch mit einem unbekannten Franzosen names Sartre eingelassen. Meine launige Bemerkung über die Kochkünste der mir immer noch verzweifelt nachstellenden Frau Hutchence „This woman burns all cakes she is creating" wurde später zu einem bekannten Schlagwort ihres Buches „Le deuxième sexe", allerdings in der offensichtlich völlig sinnfreien Version „A Woman is not born.. she is created". Fortsetzung folgt!
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