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Hirma oder wie ich feststellte, dass ich das Perpetuum Mobile bin

Nachdem Sie, meine lieben Leser, meine Forschungen über so viele Jahre mit Wohlwollen und Begeisterung verfolgt haben, sehe ich mich heute veranlasst, Ihnen etwas ganz Persönliches, geradezu Intimes Ihres grossen Vorbildes zu präsentieren. Wie Sie wissen, arbeite ich unermüdlich an der Verbesserung jeglicher technischer Erfindungen, nichts weniger als die Perfektion ist mein Ziel. Und ich freue mich sehr, auch wenn es mich und Sie wohl ebenfalls nicht verwundert, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass nur ich höchstselbst in der Lage bin, die technische Revolution sozusagen ihrem Höhepunkt zuzuführen. Sie werden erstaunt sein, wie einfach und kostengünstig sich viele Probleme der heutigen Zeit lösen lassen, wenn man nur einmal den Ausgangspunkt gefunden hat.

Wie so viele entscheidende Entdeckungen war auch diese nicht ganz unabhängig vom Zufall, selbst wenn vieles schon lange darauf hindeutete, die Zeit ganz einfach reif war. Als aufmerksame Leser meiner Biografie ist Ihnen sicher ja der Umstand, der mich zu einem ständigen Objekt weiblicher Begierde macht, bereits vertraut. Nun, ich habe bisher noch nicht alles enthüllt, denn es ist nicht die reine Grösse allein, die mich vor allen anderen Vertretern meines Geschlechtes auszeichnet, nein, auch die Menge der von meinem Körper im Zusammenhang mit diesem Körperteil produzierten zähflüssigen Sekrets, von mir im folgenden als „Hirma" bezeichnet (ein eigener Begriff ist wegen der positiven Abweichungen gegenüber der „normalen" männlichen Körperflüssigkeit zwingend notwendig) geht weit über das allgemein bekannte Normalmaß hinaus. Gleiches lässt sich auch über die sprichwörtliche Qualität berichten, aber lassen Sie sich überraschen.

 

 

 





Da ich mit beiden „Problemen" (zumindest für Sie wären es welche) seit meiner frühesten Jugend leben muss, hatte ich zum einen genügend Zeit, mich daran zu gewöhnen, z.Bsp. habe ich immer ausschließlich in der Nähe grösserer Flüsse gelebt, um die vermeintlichen Umweltschäden möglichst gering zu halten, zum anderen fielen mir die unglaublichen Unterschiede zu anderen Männern wegen fehlender Vergleichsmöglichkeiten lange gar nicht auf. Erst als meine geliebte Heidi vor ca. 30 Jahren die ersten Videokassetten mit Anschauungsmaterial mit nach Hause brachte, keimte in mir die Ahnung, dass meine sozusagen herausragenden Eigenschaften überhaupt als solche wahrnehmbar waren. Noch heute geniessen wir einen gemütlichen Videoabend mit derartigen Filmen über Paare oder noch mehr Menschen, die in geradezu stümperhafter Weise die Freuden der Körperlichkeit zu vermitteln suchen. Zumeist bekommen wir schon nach 3 Minuten erste Lachkrämpfe wegen der in jedem Zusammenhang mickrigen männlichen Darsteller. Wir sind daher zu der Überzeugung gelangt, dass diese sogenannten Pornofilme in geradezu biblischem Ausmass frauenfeindlich sind und haben deshalb die „Initiative `69" (nach dem Jahr, in dem wir den ersten derartigen Streifen sahen) ins Leben gerufen, um den Darstellerinnen zu ihrem naturgegebenen Recht zu verhelfen, denn es ist eine Unverschämtheit, was sie gerade in Schlusszenen über sich ergehen lassen müssen. Wir fordern Filme, die sich mehr an den Bedürfnissen und Grössenvorstellungen der Frauen orientieren, das Spendenkonto dieser Initiative werde ich Ihnen sobald wie möglich nachreichen.

Nach diesem kleinen Abstecher in die Vergangenheit wieder ein Blick ins Heute und auch in die Zukunft. An der Entdeckung der phänomenalen Eigenschaften des Hirmas war wieder einmal meine liebe Heidi entscheidend beteiligt. Da wir gemeinsam, einmal aus gesundheitlichen, aber auch natürlich aus hormonellen Gründen beschlossen haben, die tägliche gegenseitige Frequentierung auf mindestens 42mal festzusetzen, geschieht es häufig, dass ich Heidi von ihren Haushaltstätigkeiten abhalten muss. Dazu gibt es keine Alternative, die ständige Überproduktion des Hirmas trägt natürlich auch dazu bei. An einem Tage nun stand gerade eine unserer grösseren Familienfeiern bevor und ich rief Heidi in unser schalldichtes Konferenzzimmer (das einzige seiner Art in unserem Haus, wir benutzen es nur, wenn etwas verklemmte Gäste anwesend sind) während sie gerade die Geburtstagstorte vorbereitete. Als sie wieder zurückkehrte, geschah ihr beim Abschmecken der Sahne ein kleines Missgeschick, da sie einen kleinen Hustenanfall bekam und so die Grundsubstanzen der Sahne und des Hirmas vertauschte. Da die Zeit aber langsam knapp wurde, und ich sie bereits wieder zu mir rief, beschloss sie, einfach alles so zu lassen, da sie auch selbst kaum einen geschmacklichen Unterschied feststellen konnte, wobei man zu ihrer Entschuldigung sagen muss, dass sie sehr selten Sahne zu sich nimmt und anderes ihre Geschmacksnerven viel öfter reizt.

Nachdem aber das Lob der Gäste über den vorzüglichen Geschmack der Torte danach ein geradezu unerträgliches Mass annahmen (alle Frauen baten sie nachher um das Rezept) und an diesem Tage auch einige Krankenheilungen am Tisch geschahen (z.Bsp. konnte Herr Dr. von Dunlop unser Haus ohne seinen Rollstuhl verlassen) kam Heidi nicht umhin, mir ihr kleines Unglück zu beichten. Daraufhin begann ich, einige Proben des Hirmas zurückzubehalten, sehr diskret, damit es Heidi nicht bemerkte, was sie aber doch tat, und unterzog es diversen Untersuchungen, deren Ergebnisse ich Ihnen hiermit mitteilen möchte. Es ist mir gelungen, den ultimativen Energie und Informationsträger der Zukunft zu entdecken, bzw. selbst zu produzieren. Wärme, Strom und auch Telekommunikation, basierend auf ein- und demselben Trägerstoff, dies ist eins der sicher viele von Ihnen verblüffenden Ergebnisse. Kein Kabel- und Leitungswirrwar mehr, nur ein einziger Anschluss an die Hirtemann-Pipeline, deren Ausbau gerade beginnt. Sehen Sie selbst:

Die Wärme wird durch die schnellen Eigenbewegungen des Hirmas bereitgestellt, sie ist es auch, die die eleganteste Lösung für alle Leitungsprobleme der Internet- und Telefonverbindungen bereitstellt (ein kostenfreier Anschluss ans „Hirtemann-Net" ist in meinem demnächst erscheinenden PC-Spiel inklusive). Und was das Wasser betrifft, Hirma bietet alle seine Eigenschaften und noch viel mehr, hat es doch auch exorbitante kosmetische und medizinische Eigenschaften (ein Bad darin regeneriert selbst Nervenzellen im Gehirn, ganz zu schweigen von seiner anregenden und belebenden Wirkung auf Frauen) und es ist auch zur Zubereitung von Speisen jeder Art hervorragend geeignet, wegen seiner absolut ökologisch unbedenklichen Herstellung und der ausschließlich natürlichen Inhaltsstoffe sollte es auf keinem Küchentisch und zu keiner Mahlzeit fehlen (ich arbeite bereits an einem Kochbuch). Und für den Durst zwischendurch muss man nur den Mund unter den Hahn halten. Zusätzlich dienst es als hervorragendes Tierfutter, Sie sparen sich nicht nur die Mühen eines beschwerlichen Einkaufs, sondern Sie leisten auf diese Weise auch einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für den Umweltschutz, da keine Abfälle wie Dosen, Schalen oder Schachteln mehr anfallen werden.

Hier einige kleine Kostproben unseres täglichen Speiseplans:

Dies ist das Frühstück, das ich tagtäglich mit viel Liebe und Sorgfalt für meine Frau Heidi zubereite.

Hier das Mittagessen

und hier der Nachtisch für meine liebe Heidi und unsere drei Kinder.

Aufgrund seiner langen Haltbarkeit eignet sich Hirma auch hervorragend dazu, in ferne Länder geliefert zu werden, sollten Nahrungsengpässe auftreten (natürlich nur, bis auch das letzte Land dieser Erde an die Hirma-Pipeline angeschlossen sein wird):

Sollten Sie, liebe Leser, an dieser Stelle, wie ich es doch bei einer kleinen Anzahl von Ihnen voraussetze, ein kleines Gedankenexperiment in Angriff genommen haben, so lehnen Sie sich zurück und lassen Sie mich das Ergebnis vorwegnehmen: Ja.

Jawohl, das Perpetuum Mobile soll an dieser Stelle der den Atem anhaltenden Öffentlichkeit vorgestellt werden. An einem schwülwarmen Tag im Juni 1954 wurde es in Gang gesetzt (als Katalysator diente der Anblick meiner Nachbarin Frau Frimmel, die ... nun gut) und läuft bis heute ohne Unterbrechung, Störungen oder gar Verluste. Denn auch ich ernähre mich von der kulinarischen Vielfalt, die dank Hirma unseren Tisch bereichert. Ja, sprechen Sie das Unglaubliche laut aus und verbrennen Sie Ihre Lehrbücher, in denen steht, dass es kein Perpetuum Mobile geben kann. Denn kein Geringerer als Prof. Dr. Hans Hirtemann höchstpersönlich ist das seit Jahrhunderten proklamierte und doch bis zum heutigen Tage für unmöglich gehaltene Perpetuum Mobile! Hirma ist des weiteren in einem Atemzug mit der Muttermilch zu nennen, nahrhaft, keimfrei, körperwarm, aber im Gegensatz dazu nie versiegend. Alle unsere Kinder wurden zu Protagonisten dieser alternativen Ernährung, nur haben wir es in unserem Eifer bei unserem zweiten Sohn, Alfred, etwas übertrieben, was die Darreichungsweise betrifft, aber aus Fehlern lernt man, nicht wahr?

Die meisten genialen Entdeckungen, meine verehrten Freunde, werden ganz zufällig und nebenbei gemacht. So geschah es auch, dass ich eines romantischen Abends mit mir alleine (es war irgendein Sommertag im sog. "summer of love") etwas zu leichtfertig mit der Entsorgung umging und, als meine damaligen WG-Genossinnen unversehens früher (man kann es ja verstehen) von einer Feier zurückkamen und die mir damals einzig zur Verfügung stehende Dachrinne nicht genau traf ... jedoch machte ich wie so häufig aus der Not eine Tugend und entdeckte dabei, dass Hirma ein strahlendes Weiss auf Wände zu zaubern vermochte. Dies machte ich mir zunutze und wurde bald in den Studentenkreisen als Anstreicher herumgereicht, später auch in den Nobelvillen der Stadt, und der Verkauf der Wandfarbe "Hirma-Weiss" rettete mich über so manchen finanziellen Engpass. Einige Jahre später wurde ich von höchster Stelle berufen, das Weisse Haus mit einem neuen Anstrich zu versehen. Hier können Sie mich bei den Vorbereitungen für einen Auftrag sehen:

Eine weitere Entdeckung machte ich, als einmal das Mondlicht auf meine liebe schlummernde Heidi fiel, die ich wie so oft nachts sekundenlang voller Liebe betrachtete und deren Eigenart, mit offenen Mund zu schlafen, mich schon immer seltsam angenehm berührt hat. Ihr noch im Traum nachwirkendes verzücktes Lächeln war von solch strahlendem Weiss, dass ich gleich am nächsten Tag die erste Generation von Hirt-a-med produzierte, die bis zum heutigen Tag noch nicht aufgebraucht ist. Hier ein Werbefoto:

Am darauffolgenden Weihnachtsfest fand ich eine weitere beachtliche Eigenschaft von Hirma heraus: wir saßen alle unter dem Weihnachtsbaum und packten unsere schönen Geschenke aus, ich erinnere mich noch an eine Pflegeseife aus Hirma für Heidi, eine Riesenpackung Knetgummi aus Hirma für Alicia, ein After-Shave auf Hirmabasis für Alfred, der gerade in die Pubertät kam, einen Sack Marshmallows (woraus, muss ich nicht erwähnen) für Albert und die Pläne für den Bau einer kleinen Hirma-Zisterne im Garten (falls schlechte Zeiten kommen sollten) für mich, als aus einem unerfindlichen Grund der Weihnachtsbaum umkippte und all die schönen flackernden Kerzen aus Hirma Teppich und Vorhänge (damals noch aus herkömmlichen Materialien) unversehens in Brand setzten. Die Kinder rannten erschreckt nach draussen und Heidi warf mir einen vielsagenden Blick zu. Wie immer waren wir zu geizig gewesen, einen Feuerlöscher zu kaufen, so blieb uns nur diese eine Möglichkeit, die Heidi mir mit ihrem Blick und einem sofortigen beherzten Griff an den Diffusor nahebrachte. Und siehe da! Hirma löschte den Brand besser als jeder herkömmliche Feuerlöscher und hinterließ auch keine beissenden und stechenden chemischen Rückstände. Dies wiederum brachte uns auf eine weitere Idee: da wir damals noch keine Lösung für die Entsorgung der Unmengen an Hirma gefunden hatten, das Pipeline-System lag noch in ferner Zukunft, begannen wir, und das gestehe ich hier zum ersten Mal und auch freimütig, kleine Brände zu legen, die ich so bald wie möglich wieder löschte. Man überhäufte mich mit Auszeichnungen und kleineren Orden und bat mich allerorten, doch in die örtliche Feuerwehr einzutreten. Dies musste ich aber vehement ablehnen, da ich nicht gewillt war, dass mir jemand anders beim Löschen zur Hand gehen durfte als meine geliebte Heidi. Abschließend ein paar Aufnahmen unserer Löscheinsätze:

Etwas, was ich auch noch erwähnen möchte, ist das hervorragende Materialverhalten auch bei niedrigen Temperaturen. Oft wurden meine liebe Frau Heidi und ich im Winter gefragt: "Sagen Sie, warum sieht Ihr Haus denn so malerisch aus, wir hätten auch gerne solch schöne Eiszapfen an den Fenstern". Ja, damals wagte ich noch nicht, die wahre Ursache für unser im Winter so pittoreskes Heim zu enthüllen, aber genauso, wie ich Ihnen nun sagen werde, dass Hirma jede Schneekanone überflüssig macht, ist es auch in der Lage, mit ein wenig Übung des Künstlers zu wunderschöne Winterdekorationen verarbeitet zu werden. Sehen Sie ein typisches Foto unseres Hauses zur Weihnachtszeit:

Selbst im Sommer, wenn Schnee und Eis bekanntlich rar sind, kann ich meiner Familie mit einem kleinen Trick zu einer hübschen Rodelstrecke im Garten verhelfen. Wie jede vorausplanende Familie haben wir immer Eiswürfel im Haus (nur dass sie bei uns - und sicher auch bald bei Ihnen, verehrte Freunde - aus Hirma bestehen), in einen kleinen Eisbeutel gepackt und wenige Minuten aufgelegt, entfaltet Hirma beachtliche kristalline Fähigkeiten. Für den Verbraucher wird es bald möglich sein, dies nachzuahmen, da er dann weit streuende Schläuche an die Pipeline anschließen kann.

Sie werden sicher fragen, ob ich denn genügend Hirma bereitstellen kann, um die immense Nachfrage zu befriedigen, aber machen Sie sich keine Gedanken, meine liebe Heidi sammelt es schon seit Jahren und dieser Vorrat reicht schon für einige Jahrhunderte, selbst wenn, was nicht der Fall ist, Hirma sich verflüchtigen könnte. Es ist im Gegenteil voll recyclefähig und lässt sich immer wieder in die Pipeline einspeisen, dies gilt auch für die Fertighäuser, die aus gehärtetem Hirma errichtet werden können, einfach abreissen und nah einer kurzen Behandlung mit einer Nährlösung ist es wieder vollkommen einsatzbereit. Zudem eignet es sich auch hervorragend als Treibstoff für Autos, Flugzeuge und Maschinen jeglicher Art, was mir und meiner lieben Heidi auch eine persönliche Vergünstigung bescherte, sind wir doch auf allen Flügen gern gesehene Gäste und dürfen gratis reisen (das Auftanken gestaltet sich mit mir an Bord auch Zeit und Personal ersparend und überaus unproblematisch). Auch für die Verwendung als Antrieb für Hyperraumflüge werden nur geringste Mengen gebraucht, so dass der Verlust minimal ist. Für den Fall einer irdischen Katastrophe, bei der sich die Menschheit selbst vernichtet (was aber bald auszuschliessen sein wird, denn es haben noch nie zwei Länder, die an die Pipeline angeschlossen sind, gegeneinander Krieg geführt) haben wir einige Millionen Tonnen auf dem zweiten Jupitermond in Sicherheit gebracht, so dass eine Neubesiedlung kein Problem darstellt. Ich werde anhand des Reservoirs auf diesem Planeten auch in nicht allzu ferner Zukunft eine kleine, aber unterhaltsame Simulation der "Ursuppe" in Gang setzen. Ausserdem produziere ich täglich neues Hirma in unvorstellbaren Grössenordnungen, so dass ein Mangel vollkommen auszuschliessen ist. Ich hoffe, ich konnte Sie mit dieser Mitteilung ein wenig sorgenfreier in die Zukunft blicken lassen, dem Hirma sei Dank.

Herzlichst

Ihr Prof. Dr. Hans Hirtemann