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Der Ironman Europe in Roth

 

Es ist Ihnen sicher nicht unbekannt, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist stecken kann, liebe Freunde. Ich bin ein Paradebeispiel dafür, widme ich mich doch seit einigen Monaten eine Stunde pro Woche einem intensiven Ausdauertraining. Meine schnellen Erfolge in den verschiedensten Disziplinen (Schwimmen/Radfahren/Laufen) brachten mich nun auf die Idee, beim diesjährigen Ironman Europe im fränkischen Roth anzutreten.

Sie alle haben schon von diesem sportlichen Großereignis gehört, Hunderte von Ausdauersportlern werden von Hunderttausenden von Zuschauern angefeuert, das Fernsehen ist anwesend, Rekorde werden gebrochen ... diesmal möchte ich neben Harry Wijnvoord, dem Kommentator, und Joey Kelly, der jedes Jahr wacker mitkämpft, nicht nur der dritte Prominente sein, nein, ich möchte diesen Wettkampf gewinnen.

Jedoch möchte ich es mir nicht zu leicht machen.

Zudem liegt mir sehr am Herzen, das Konzept und die Reglements dieses doch schon etwas in die Jahre gekommenen Contests zu verbessern, und möchte Ihnen nun hier an dieser Stelle erläutern, wie ich vorgehen werde.

 

 

 





Erst gestern habe ich an den Organisator einen Brief geschrieben und ihn gebeten, mit dem Antreten meiner Person den Wettkampf doch vielleicht in "Steelman" oder gar "Diamondman" (was mir persönlich mehr zusagen würde, da ich mir eine Hymne von Neil Diamond habe komponieren lassen "Dude, he's nude") umzubenennen, die hoffentlich positive Antwort wird sicher bald in meinem Briefkasten liegen.

Mein Konzept ist so einfach wie revolutionär: ich werde nackt antreten.

Um zu beweisen, dass allein die Tatsache, auf Kleidung zu verzichten, wertvolle Stunden spart, habe ich geplant, die Wettkampfbedingungen für mich zu erschweren.

Wie Sie wissen, beginnt der Ironman-Contest frühmorgens um 6 Uhr mit dem Schwimmen:

Sie sehen, dass alle Wettkämpfer Schutzanzüge, Bademützen, ja sogar unförmige Brillen tragen. Dies alles sorgt für eine nicht zu unterschätzende Reibung, die sehr viel Kraftaufwand und vor allem Zeit erfordert. Daher werde ich erst um 10 Uhr starten und die Schwimmstrecke sogar noch ein wenig ausdehnen:

Letzte Woche ist mir bei einem persönlichen Abschreiten der Schwimmstrecke aufgefallen, dass von der Lände Hilpoltstein ein kleiner unterirdischer Überleiter in den Rothsee führt. Diesen werde ich durchschwimmen, dann eine ca. 2,8 km lange Runde im Rothsee drehen, um dann wieder zurück in den Rhein-Main-Donaukanal zu kraulen.

Nach dem Schwimmen folgt das Radfahren. Und gerade hier wird besonders deutlich, weshalb mein Plan, nackt anzutreten, nicht weniger als genial ist. Sehen Sie:

Wir erblicken hier einen Wettkämpfer, der sich nach absolvierter Schwimmstrecke erst mühsam aus seinem Schutzanzug befreien muss (wie oft geschah es schon, dass sich diese Gummianzüge festgesaugt hatten und nur unter größten Mühen wieder auszuziehen waren!), um sich dann für die Radstrecke passend wieder anzuziehen. Mit meinem Plan gelingt jedoch ein fliegender Wechsel vom Schwimmen zum Radfahren.

Die Radstrecke, 180 km, lang möchte ich etwas verkürzen, jedoch nicht ohne die Anforderungen trotzdem hochzuschrauben:

Der Pfeil markiert eine Abkürzung von Thalmässing nach Obermässing. Ich vergaß zu erwähnen, dass ich, um die Genialität meines Vorschlags noch deutlicher zu untermauern, mit einem herkömmlichen Hollandrad antreten werde (nicht zuletzt auch aufgrund meiner Sympathie für Harry Wijnvoord), dessen Sattel aus Stahl und mit kleinen Spikes besetzt sein wird, was sich als weitere Prüfung herausstellen wird, weil die geplante Abkürzung ein Schotterweg ist mit nicht weniger als 12% Steigung (die ich jedoch im Sitzen nehmen werde).

Nach der Radstrecke dürfte ich meinen Berechnungen zufolge ca. 3 Stunden eingespart haben. Um meinen Mitstreitern aber nicht jeglichen Mut zu nehmen, habe ich auch die Marathonstrecke erweitert:

Bei Kilometer 39,18 werde ich die Einsamkeit des Langstreckenläufers auf die Spitze treiben und nach Süden abbiegen. Die nun folgende zusätzliche Laufstrecke beträgt ca. 16 km. Nach meinen Überlegungen müsste ich nun, wenn ich wieder auf die reguläre Strecke gelange, die Spitzengruppe gerade erreichen:

Da ich aber keinerlei überflüssigen Reibungswiderstand verspüre und auch wie auf der gesamten Strecke auf Getränke und Verpflegung verzichten werde, wird es mir ein Leichtes sein, das Grüppchen zu überholen und mit etwa 20 Minuten Vorsprung als Erster auf dem Rother Festplatz einzulaufen.

Bisher sahen alle Gewinner mehr oder weniger so aus:

Doch schon bald werden dieses und ähnliche Bilder der Vergangenheit angehören, stattdessen werden sie in den Zeitungen bald nur noch solche Fotos sehen:

Ich möchte an dieser Stelle auch ganz herzlich meinem Sponsor Jaques Fromsér danken und auch meiner lieben Frau Heidi, die mich auch hier wie überall mit ihrer Liebe, Kraft und Geduld unterstützt. Euch widme ich den Sieg!

Herzlichst

Ihr Prof. Dr. Hans Hirtemann