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Prof. Dr. Hans Hirtemann ist "Der Schweineflüsterer"

Liebe Freunde,

Sie allen haben schon von Monty Roberts gehört, der sich einen Namen als "Der Pferdeflüsterer" gemacht hat. Als ich zum ersten Mal seinen Namen hörte und von seiner Arbeit vernahm, fiel mir ein Projekt ein, dass ich schon 1956 begonnen hatte, nämlich die Sprache der Schweine zu entschlüsseln (ob Monty oder ich zuerst mit dem Flüstern angefangen haben, lassen wir einmal großzügig dahingestellt sein). Monty Roberts und seine Arbeit und Leistung in allen Ehren, aber wollen wir doch einmal ehrlich sein: welcher Normalsterbliche kann schon ein Pferd sein eigen nennen? Ich habe meinen Geist schon immer lieber für die Masse arbeiten lassen und mich nie aufs hohe Pferd gesetzt. Daher möchte ich Ihnen nun heute meine Erkenntnisse aus der Schweineflüsterei vorstellen und Ihnen auch erzählen, wie sie mich unbemerkt auch über all die Jahre begleitet hat.

Monty Roberts nennt die nonverbale Ausdrucksweise der Pferde Equus, ich nannte die der Schweine (schon einige Jahre vorher, aber das ist letztendlich unwichtig) Porcus.

Die normale Reaktion jedes Tiers ist das Fluchtverhalten. Somit liegt der erste Schritt nahe, nämlich, dass man sich mit dem Schwein verbrüdern muss. Dabei hatte ich einen klaren Vorteil, denn wie wir alle wissen, ist das gemeine Hausschwein nackt und rosa, und da ich mit dem Schweineflüstern in unserem Geräteschuppen begann, konnte ich meinem ersten Schwein, es hieß Jürgen, so gegenübertreten, dass es von keinerlei Misstrauen befallen wurde.

 

 

 





Ich verband mein Auftauchen immer mit einem "Hallo Jürgen", welches Jürgen mit einem kleinen Grunzen erwiderte, das ich lautmalerisch in unsere Sprache übertrug und welches so aussieht und klingt: "Nöff", was soviel heißt wie "Hallo Hans".

Hier ein kleiner Schnappschuss von Jürgen beim Nöffen, als ich ihn vom Tierarzt abholte:

Schon hier kann man erkennen, dass die Augen des Schweins von, ja nennen wir es schon ab diesem Zeitpunkt so, Liebe beseelt waren. Dies war die Grundlage für Schweineflüstern für Fortgeschrittene.

Bald hing ich an das Nöffen ein "Wie geht es dir, alter Junge?" an, das Jürgen in den meisten Fällen so beantwortete: "Wnarf!". Dies bedeutete, es ging ihm gut. An schlechten Tagen war die Antwort ein leises "Nchoo". Bald fand ich heraus, dass positive Aussagen generell mit einem "Mrchar" begannen, negative hingegen mit einem "Nchro". Schweinedamen hießen "Chruii" und sein liebstes (nun ja, unser liebstes) Hobby "frrrchn". Leckeres Futter quittierte er mit einem "Chnam", war er müde, sagte er "dchöchs", wenn ihm langweilig war, sagte er "chrööö", Abenteuerlust leitete er mit einem "nchii" ein.

Das "nchii" durfte ich einige Wochen lang ziemlich häufig vernehmen, als ich mir nämlich Jürgen zuliebe dieses Gefährt zulegte:

Unsere Freundschaft wurde immer enger, wir konnten uns alles sagen. So ergab es sich, dass ich Jürgens Wunsch, einmal in seinem Leben den Pig-Rock zu sehen, nachgab und mit ihm Urlaub machte.

Die ganze Materie ist natürlich zu komplex, um sie hier in allen Einzelheiten vorzustellen, ich wollte Ihnen nur ein Bild vermitteln, wie einfach es ist, einem Tier nahezukommen und es durch und durch zu verstehen. Das Schwein ist, wie wir alle wissen, dem Menschen am ähnlichsten, es ist klug, es ist humorvoll, es ist gierig und in einem Punkt ist es uns sogar voraus, es ist ein Nudist vom Scheitel bis zur Sohle.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen nun eine Unterhaltung übermitteln, die ich mit Jürgen führte, als ich ihm eine Schweinedame kaufte, und die Sie, lieber Leser, als nunmehriger Schweineflüstereranfänger problemlos übersetzen können müssten.

Diesem Bild folgte die nachstehende Unterhaltung (der Herr bin übrigens ich):

"Nöff" - "Nöff" - "Wnarf?" - "Nchoo" - "Nchro Nchoo! Chruii!" - "Mchrar, wnarf! Chruii frrrchn?" - "Mchrar!" - "Nchii! Frrrchn! Nchii!" ... "Dchöchs..." ...

Noch heute gehört das Schweineflüstern zu meinen liebsten Beschäftigungen, auch Heidi hat die Sprache inzwischen gelernt, und hin und wieder unterhalten wir uns, wenn wir irgendwo zu Gast sind, in dieser Sprache über manche Dinge, die an dieser Stelle garantiert unangebracht wären.

Herzlichst

Ihr Prof. Dr. Hans Hirtemann