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Ein neues Opernkonzept stellt sich vor - "Titanic" von Prof. Dr. Hans Hirtemann
Wie Sie, liebe Freunde, ja bereits aus dem "Odium Quadruplum" wissen, ist Komponieren eins meiner leidenschaftlich gepflegten Hobbys. Schon seit längerer Zeit arbeite ich an einem revolutionären Konzept, einer neuen Form der Oper und verstehe mich weniger als Nachfolger denn als Vollender der Wagnerschen Reformen, die, trotz einiger richtiger Ansätze bei weitem zu kurz griffen. Es geht mir auch und vor allem darum, die Publikumsferne der modernen Opern in eine geradezu intime Nähe zu verwandeln und die Miteinbeziehung der Zuhörer in den Stoff so weit zu verfeinern, dass sie sich als unmittelbare Teilnehmer fühlen können. Dies ist vor allem auch eine Frage der Gestaltung der Ortes und der Bühne. Darauf werde ich gegen Ende dieses Textes noch genauer eingehen. Ganz entscheidend ist natürlich auch die Wahl des Stoffes und gerade da muss man meinen Vorgänger die größten Vorwürfe machen, da er sich zu sehr in mythologisierenden Bildern verfing, anstatt die doch vor Augen liegenden Stoffe zu verarbeiten. Hier meine ich gerade die Begebenheit, die mir als Handlungsfaden dienen wird: der tragische Untergang der Titanic.
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Seit mehr als 15 Jahren arbeite ich daran und bemühte mich immer um Offenheit, auch zu der Zeit, als ich noch an der Universität lehrte. Ich war überrascht, wie groß Neid und Missgunst gerade in akademischen Kreisen ausgeprägt ist, stellen Sie sich vor, dass eine ganze Reihe meiner Kollegen nicht mit mir sprachen, weil sie meinten, durch meine unermüdliche Arbeit würde ich in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, dass alle Professoren so viel forschen, veröffentlichen und aufdecken müssten und dass ich sie damit unter Druck setzen würde. Heute denke ich aber, dass wohl eher verständliche Minderwertigkeitskomplexe die Hauptrolle gespielt haben. Selbstverständlich verfolge ich mit diesem Werk auch aufklärerische Ziele, denn alleiniges Delektieren an wunderbarer Musik ist noch nicht ausreichend, wenn damit nicht auch Wissen vermittelt wird. Der große Erfolg des amerikanischen Filmes "Titanic" ist ein gutes Beispiel, wie die Aussagen von Überlebenden verfälscht oder selbst einzelne, aber entscheidende Worte, missverstanden wurden, wie ich später noch zeigen werde. Ich habe mich natürlich wie immer auch bemüht, die wahren Gründe für den Untergang der Titanic:
zu enthüllen und sie durch das Mittel der Musik zu verbreiten. Die Verfilmung enthält nur eine einzige wirklich authentische Szene, die aber durch das dilettantische Script und die amateurhafte Kameraführung völlig verunstaltet wurde. Erinnern Sie sich an die Szene im Wasser ? Haargenauso steht sie auf Seite 1278 meines Manuskriptes, da ich sie ebenso aus den Aussagen Überlebender und geborgener Schriftstücke, die mir zugänglich sind, rekonstruieren konnte. Allerdings es geht mir nicht um billige Effekthascherei, nein, die Konzentration auf zwei Personen hat einen evident historischen Hintergrund, der leider romantisch verkitscht wurde und deren ursächliche Beteiligung an der Katastrophe im Film nie erwähnt wird. Ich möchte Ihnen nun zunächst die handelnden Personen vorstellen: Martha Balfour (Sopran)...........Nudistin und ehemalige Nackttänzerin aus London, will ihre Nichte in New York besuchen. Francois Apollinaire (Bariton)........belgischer Großgrundbesitzer, wollte eigentlich seine afrikanischen Besitzungen inspizieren und landete auf dem falschen Schiff. Otto von Hardenstein-Kleintrüffelsleben (Bass)..........Major der kaiserlich-deutschen Armee, soll im Auftrag des deutschen Geheimdienstes Bilder des Titanic-Maschinenraumes besorgen, Nudist, traut sich aber nicht, seine Einstellung auszuleben. Claire Goméz (Countertenor)....studierte Ärztin und jetzt Heizerin auf der Titanic. Zu diesen 4 Hauptpersonen treten einige Nebenrollen, deren Funktionen und Stimmlagen Ihnen erst im Verlauf der Handlung deutlich werden. Nun werde ich Ihnen alle 3 Akte der Oper mit ihrer Handlung samt einigen musikalischen Hinweisen vorstellen. Der erste Akt erzählt die Vorgeschichte der Hauptpersonen und die Gründe, warum sie auf diesem Schiff landeten, im folgenden Akt befinden wir uns auf der "Titanic" und erleben die Begegnungen und Sichtweisen unserer Helden und der letzte Akt ist dem Untergang des Schiffes gewidmet. Akt I: Nach einer 4stündigen musikalischen Ouvertüre beginnt die Handlung mit Claire, die in einer Arie ihren Alptraum der vergangenen Nacht verarbeitet, in welchem ihr ihr Ex-Ehemann Wycliffe erschien, der versuchte, ihr die Kleider vom Leib zu reissen. Sie beginnt, ihre nudistischen Neigungen zu ahnen, aber noch wehrt sie sich dagegen. In dem darauffolgenden Rezitativ, das mit einigen Einschüben des Chores des Altenheimes, in dem sie arbeitet, aufgelockert wird, erzählt sie ihre Lebensgeschichte und dass sie sich aufgrund eines Traumes für den Job als Heizerin auf der Titanic beworben hatte. Sie hat das Gefühl, dass sich damit ihr Leben radikal verändern wird. Nach diesen dreieinhalb Stunden tritt Claire ab und die Szene wechselt nach Brüssel, wo Francois´ Ehefrau Antoinette die Billets für die falschen Schiffspassage kauft, was ihr Mann aber erst zu spät bemerken wird. Er wollte nach Belgisch-Kongo, weil ihn Gerüchte erreichten, dass die Menschen dort viel ungezwungener und nackt leben, was ihn insgeheim sehr fasziniert. Darum reist er auch zum ersten Mal allein. Antoinette allerdings hatte diese Gerüchte gestreut und beabsichtigte, ihren Mann zu einem Kannibalenstamm zu schicken, um endlich seinen Besitz zu erben. Diesen Plan vereitelt sie aber selbst durch den Kauf der falschen Tickets, was im Orchester durch zahlreiche falsche Noten symbolhaft dargestellt wird. In einem großartigen Duett wünscht sie Francois heuchlerisch eine gute Reise, während er sich schon auf die Begegnung mit den Ureinwohnern freut. Antoinette schickt ihm, um seines Todes sicher zu sein, den als Frau verkleideten Gärtner Guillaume hinterher, der mit ihr den teuflischen Plan ausgeheckt hat. Danach befinden wir uns in Berlin, wo der Major gerade sein drittes Spanferkel verspeist und in einer dramatischen Arie den Wechsel seiner Gefühle darstellt, von der Freude über den köstlichen Schmaus zur tiefen Trauer darüber, dass es ihm nicht möglich ist, dies nackt zu tun. In einer ergreifenden musikalischen Auseinandersetzung mit dem Chor der Offiziere prangert er die gesellschaftlichen Umstände an, die ihn daran hindern, seine 163 Kilo Lebendgewicht hüllenlos zu zeigen. Währenddessen in London: Martha Balfour, in den einschlägigen Kreisen als "Nude Martha" bekannt, möchte ihre Nichte Melissa in Florida besuchen und die Titanic ist das einzige Schiff, welches sie nicht wegen ihres Gewichts und ihrer konsequenten Nacktheit als Passagierin abgelehnt hat. In ihrem Rezitativ erzählt sie von ihren künstlerischen Erfolgen bei Nacktauftritten im Buckingham Palace (im Hintergrund werden durch den Chor die nackten Royals, die nackt und kontrapunktisch "Rule Britannia" singen) und von ihrer Sehnsucht nach einem einfachen Leben, einem Leben, in dem sie nicht ständig verklagt oder verspottet wird wegen ihres Aussehens. Mit diesem Kontrast endet der erste Akt. Akt II: Die Hauptpersonen sind alle wohlbehalten auf dem Schiff angekommen und die ersten Verbindungen zwischen ihnen beginnen sich zu knüpfen. Alles beginnt damit, dass sich Otto mit zwei Cocktailgläsern in der Hand auf dem Weg zum Maschinenraum an der Reling entlangzwängt und dabei unabsichtlich dem verkleideten Guillaume die Luft abschnürt und dieser sich nur durch den Sprung ins Wasser retten kann, dabei aber seine Handtasche verliert. Aus Angst, dass durch das Meer seine Verkleidung beschädigt wird, wagt er es nicht, um Hilfe zu rufen und wird so zum ersten Opfer der Titanic, ohne aber in seiner Todesarie Reue zu zeigen. Francois beobachtete den Schluss der Szene, glaubt, dass die Handtasche Otto gehören würde und läuft ihm hinterher, wird aber vom Major, der ihn für einen Agent hält, k.o. geschlagen. Nach einem zweistündigen, aus einem Ton bestehenden instrumentalen Zwischenspiel, das seine Ohnmacht untermalt, wird er von Claire gefunden. Diese verliebt sich sofort in ihn und pflegt ihn im Heizungskeller gesund. Martha und Otto begegnen sich am Abend zum erstenmal beim Krabbenwettessen auf dem Oberdeck, was nach 5 Stunden mit einem Unentschieden zwischen beiden abgebrochen werden muß. Sie erkennen bei einem anschließenden romantischen Dinner zu zweit, dass sie füreinander bestimmt sind und mit einem wunderschönen Liebesduett von Martha und Otto endet der zweite Akt. Akt III: Claire gesteht dem erwachenden Francois ihre Liebe, und auch er beginnt ihre Anziehungskraft zu spüren, verweigert sich aber noch wegen der Verantwortung für seine Familie. Otto hat Martha davon überzeugt, dass sie mit ihrem Fotoapparat Bilder vom Maschinenraum macht, er möchte diesen Auftrag noch beenden und danach mit Martha ein neues Leben beginnen. Sie schleichen sich nachts in den Maschinenraum, werden aber von Claire ertappt und im Nebenzimmer eingesperrt. Francois hat inzwischen die Handtasche geöffnet und einen Liebesbrief seiner Frau an Guillaume entdeckt, in dem sie dem Gärtner ihre Absicht, Francois zu töten, offenbart. Damit sind die letzten Hindernisse für seine Liebe zu Claire beseitigt. In der folgenden Nacht entdeckt Martha, die inzwischen schon 167 Kilo wiegt, dass sie alle vier ihr Leben lang Nudisten waren, sie offensichtlich, Otto insgeheim und die beiden anderen nur in ihren Gedanken. Sie überzeugt alle, sich ihrer Bekleidung zu entledigen und mit ihr gemeinsam auf dem Promenadendeck entlangzuwandeln. Alle sind glücklich. Aber das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Martha steht am Bug des Schiffes während ihr Otto einen Rieseneisbecher (nicht Eisberg!!) bringt. Diesem Gewicht an einer einzelnen Stelle ist das Schiff nicht gewachsen, der Schwerpunkt verlagert sich nach vorn, Wasser dringt ein und die Titanic versinkt innerhalb kürzester Zeit. Die meisten Menschen werden durch ihre Kleidung ins Wasser gezogen, die vier Nudisten überleben aufgrund ihrer Nacktheit und schwören im finalen Quartett (mit einem immer geringer werdenden Chor im Hintergrund), niemals jemandem von diesem Ungeschick zu erzählen. Soweit die Handlung dieser Oper. Sie werden bemerkt haben, dass die Anforderungen an Bühnenbild und Maske jedes normale Opernhaus überfordern müssen. Aber auch daran habe ich gedacht, wie ich Ihnen gleich erläutern werde. Ich möchte vorher noch erwähnen, dass ich die Rollen von Martha und Otto zwei Künstlern, die ich sehr verehre, auf den Leib geschrieben habe, Luciano Pavarotti und Montserrat Caballé und beide konnte ich durch Zusendung einer Kopie bereits für die Uraufführung gewinnen (selbst Lucianos Familie war begeistert):
Was mich im Moment am meisten beschäftigt, ist die Suche nach einem meinen Vorstellungen entsprechenden Ort der Aufführung. Wenn selbst Wagner eine eigenes Festspielhaus bauen konnte, sollte dies für ein Werk dieses Formates doch erst recht möglich sein. Inzwischen kann ich Ihnen, liebe Freunde, mitteilen, dass ich auch dieses Problem gelöst habe. Schon immer war mir klar, dass nur eine Naturkulisse die Vorgänge entsprechend verdeutlichen könnte, niemals ein steriles Opernhaus. Darum habe ich mich entschlossen, meiner derzeitigen Heimat Würzburg die Ehre angedeihen zu lassen, der Ort der ersten Aufführung zu werden. Vor allem die günstige geographische Lage in einem Talkessel prädestiniert es dazu. Man muss nur den Main:
anstauen und den Kessel füllen, damit die originalgetreue Kopie der Titanic versenkt werden kann. Die geschieht genau über dem Residenzgarten:
um die unvermeidbaren Schäden geringzuhalten. Aber für die wahre Kunst müssen eben Opfer gebracht werden. Für die Zuschauer werden ringsum die Weinberge zu Tribünen ausgebaut, damit sie dem Geschehen hautnah beiwohnen können: Ich hoffe, dass ich dieses Projekt vielleicht sogar in diesem Herbst vollenden kann. Ob nach der Uraufführung weiter folgen werden, wird vom Zustand der Naturtheaters Würzburg abhängen, aber ich bin zuversichtlich. Herzlichst Ihr Prof. Dr. Hans Hirtemann
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