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Beethoven und Mozart - wie mich mein liebstes Hobby zu zwei sagenhaften Entdeckungen führte

 

Die Vielseitigkeit meiner Interessen ist immer wieder Gegenstand der mir von Ihnen, liebe Freunde, zugesandten Briefe und Mails, die ja fast ausschließlich einen positiven, ja bewundernden Unterton besitzen. Auch für die zahlreichen Pakete mit Gesteinsproben, Reagenzgläschen oder weiblicher Unterwäsche möchte ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanken. Es zeigt mir, wie sehr Sie Anteil an meiner Arbeit nehmen und inspiriert mich zu vielen Experimenten, wie meine liebe Heidi Ihnen bestätigen wird.

Ich habe immer versucht, neben der rein geistigen Arbeit auch genügend Zeit zu anderweitiger Befriedigung und Entspannung zu erübrigen, und daher spielen Heidi und ich so oft wie möglich zusammen. Meistens, vor allem als die Kinder noch jünger waren, haben wir sogar alle gemeinsam gespielt, das war immer sehr schön und es war für jeden Geschmack etwas dabei, da wir uns bemühten, auch die entlegensten Wünsche zu erfüllen. Einige dieser Abende haben wir sogar auf Band festgehalten, um auch die Nachbarn mit unserer im Laufe der Jahre vollendeten Technik zu erfreuen, leider erwiesen sich diese wieder einmal als zu engstirnig.

Es soll in dieser kurzen Abhandlung also um Musik gehen. Eine ganze Reihe Anfragen erreichen mich in letzter Zeit zu diesem Thema und einige möchten gern wissen, welche Instrumente wir denn spielen. Nun, meine liebe Heidi hat ihr Flötenspiel in den letzten Jahren perfektioniert, vor allem als wir vor ca. 10 Jahren die neuentwickelte Noppenflöte eines Pariser Flötenbaumeisters für uns entdeckten:

 

 

 

 





Hier sehen sie ganz deutlich die Noppen, die Jean-Jaques Fromsér mit seinen geschickten Händen anbringt:

Der Vorteil dieser Konstruktion (Noppen statt Klappen) lässt sich am deutlichsten am Reibungskoeffizienten messen, der bei der neuen Version um einige Prozentpunkte höher ist. Heidi ist auch der Ansicht, dass das gute Stück viel besser in der Hand liegt und sich schöner anfühlt als der allzu glatte Vorgänger. Das folgende Bild malte Alicia, unsere Jüngste, vor langer Zeit von ihrer Mutter:

Ich habe mich schon in frühester Jugend auf das etwas handfestere Cello spezialisiert, wobei die Form und Anschmiegsamkeit den letzten Ausschlag für dieses Instrument gab, rein technisch beherrsche ich auch alle anderen Tasten- und Saiteninstrumente, die Blaserei hat mich allerdings noch nie derart interessiert, dass ich sie selber hätte ausüben wollen. Monsieur Fromsér empfahl uns seine Kollegin Beate U. aus Freiburg und diese Meisterin der Geigenbaukunst fertigte eine Instrument nach meinen Vorgaben, war ich doch von den normalen bisher sehr enttäuscht worden. Revolutionär sind vor allem die drei Klangöffnungen, eine oben am Hals, die beiden anderen jeweils am Steg auf der Vorder- und Rückseite, die ein absolut naturgetreues Erlebnis garantieren. Hier ein Foto aus unserem Musikzimmer:

Das sollte Ihnen aber nun an persönlichen Informationen genügen, wobei ich für Ihr Interesse durchaus Verständnis habe. Eigentlich möchte ich Ihnen ja eine weitere aufsehenerregende Entdeckung schildern, nein, diesmal sind es sogar zwei, die die Musikwelt durcheinanderwirbeln werden. Da ich bei meinen Nachforschungen in verschiedenen Archiven immer auch nach neuen Musikstücken suche, die vom musikalischen Inhalt und dem technischen Schwierigkeitsgrad her unseren Ansprüchen genügen, besuche ich auch regelmäßig die wenigen Musikarchive in Deutschland und musste schon oft feststellen, dass der Bestand recht schlecht gepflegt wird und darum sehr viele Werke auch bekannterer Komponisten immer noch verschollen oder gar überhaupt nicht bekannt sind. Neben "Heidewitzka in Brunsbüttel" , einem verkannten Spätwerk Richard Wagners und einer frivolen Oper über das Leipziger Dirnenvirtel von J.S. Bach, die sie ja bereits aus meinem "Odium Quadruplum" kennen, entdeckte ich im Laufe der Jahre auch zwei Werke, die ich Ihnen heute erstmals vorstellen werde. Beide stellen sie den Schaffenshöhepunkt des jeweiligen Komponisten dar und werden für eine Umbewertung ihres gesamten Opus sorgen.

Zum einen fand ich das gesamte Manuskript von Beethovens Zehnter Sinfonie, die zwischen dem 3. und 6. Mai des Jahres 1826 komponiert wurde. Sie alle kennen die gerade um den Jahreswechsel üblichen Aufführungen der Neunten und haben die Melodie von "Freude schöner Götterfunken" im Ohr und meinen, sie würden Beethovens bestes Stück bereits kennen. Aber da muss ich Sie leider enttäuschen. Es erschien mir schon immer sehr unglaubwürdig, dass der doch so korrekte Beethoven (hier ein nachträglich koloriertes Foto)

gerade neun Sinfonien geschrieben haben sollte, und meine Entdeckung im Dresdner Musikarchiv bestätigte mich. Die Zehnte Sinfonie sprengt bei weitem den damals üblichen Rahmen, sie umfasst 6 Sätze, von denen 5 mit je 8-fachen Doppelchören besetzt wurden und der sechste ein 32-minütiges Kuckuckspfeifensolo enthält. Beethoven vertonte in dieser Sinfonie das Kamasutra, wobei nach dem Autograph auch an eine szenische Aufführung gedacht war. Ich will Ihnen einen kleinen Ausschnitt nicht vorenthalten:

Dies ist der Anfang des vierten Satzes, überschrieben mit "Shamane Khurrys" (die sich öffnende Lotosblume). Ich bemühe mich schon seit längerem, dieses Stück zu seiner ihm entsprechenden Geltung zu bringen, aber leider ist auch hier die Verbohrtheit des Musikbetriebes zu groß und sein Festhalten am antiquierten Beethovenbild ist ebenso hartnäckig wie falsch.

Das zweite Werk ist um einige Dimensionen kleiner als das vorherige aber nichtsdestotrotz aufsehenerregend. Es handelt sich um ein nur 3 Seiten langes Klavierstück von W.A. Mozart mit dem schönen Titel "Ein kleyn Tagmusick". Bisher war ja nur das Vorgängerwerk bekannt und als kleines, nettes Stück geringgeschätzt. Interessant an diesem neuentdeckten Stück ist die Titelseite, die einige persönliche Notizen Mozarts zwei Tage vor seinem rätselhaft frühen Tod enthält:

Aufschlussreich ist zum Beispiel, dass er die "Kleine Nachtmusik" als sein Opus magnum bezeichnet, an der er seit 1761 30 Jahre seines Lebens gearbeitet habe und die in konzentrierter Form, so die logische Schlußfolgerung, sein gesamtes Genie widerspiegelt. Desweiteren bedankt er sich bei seinem besten Freund Antonio Salieri für die vielen frohen gemeinsamen Stunden und wundert sich darüber, dass Nannerls Essen seit einigen Wochen so seltsam schmecke.

Ich verstehe es, liebe Freunde, wenn Sie jetzt darüber verwundert sind, dass diese entscheidenden musikalischen Werke Ihnen bisher vorenthalten wurden, aber stellen Sie sich vor, wieviele Gesamteinspielungen, Werkverzeichnisse, Biographien und Lehrbücher geändert werden müssten, wenn diese Sensationen bekannt werden würden? Nun, ich bin, wie sie sehen nicht bereit, aus diesen Gründen auf die Wahrheit zu verzichten, so kennen Sie mich, und so werde ich auch in Zukunft handeln.

Herzlichst

Ihr Prof. Dr. Hans Hirtemann