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Das Ungeheuer von Loch Ness - im wahrsten Sinne des Wortes ungeheuer beeindruckend

Sie, liebe Freunde, kennen meine ständigen und durchweg erfolgreichen Bemühungen, die bekanntesten Rätsel der Menschheit für Sie zu lösen, auch wenn es mich manchmal mehr als ein paar Stunden kostet und ich mich gegen Widerstände durchsetzen muss.

Heute nun möchte ich Ihnen das Geheimnis von Loch Ness enthüllen, die Geschichte jenes sagenumwobenen Monsters, dessen Sichtungen schon in frühchristlicher Zeit beginnen. Sie werden mir einen gewissermassen leicht sentimentalen Ton nachsehen, denn, wie Sie bald erkennen werden, hat die Geschichte auch einen etwas persönlichen Anhauch, denn das Wort Loch Ness benutzte schon mein Vater sehr oft und immer in einer sehr respektvollen und ehrfürchtigen Weise. Schon kurz nach der Erstauflage des "Odium Quadruplum" erreichten mich Briefe, in denen die Verfasser sich enttäuscht und empört darüber zeigten, dass gerade dieses Kontinuum der europäischen Geschichte von mir angeblich vergessen worden sei. Nun, das ist so nicht richtig, ich kenne den Grund für das geheimnisvolle Auftauchen des Seemonster schon länger, aber erst die jetzige Unabhängigkeit versetzt mich in die Lage, alles zu offenbaren.

Schon während meiner Zeit in England faszinierte mich die Geschichte von Loch Ness und im Jahre 1954 besuchte ich den See zum ersten Mal. Natürlich glaubte ich nicht daran, dass irgendein urzeitliches Monster der Grund für all die Geschichten waren, ich wusste instinktiv, dass es sich um etwas wesentlich Handfesteres handeln musste. Ich besuchte Urquart Castle, dessen Ausblick über den See ich Ihnen nur ans Herz legen kann, falls Sie einmal da sind:

 

 





Ich umwanderte den See einige Male in diesen Tagen und da ich das Wasser schon immer liebte und bereits früh meine Leidenschaft für das Tauchen entdeckte, setzte ich meine Suche auch unter Wasser fort, natürlich ohne Kleidung und Ausrüstung, allerdings ebenfalls erfolglos, zumindest erfolglos nach meiner ursprünglichen Absicht. Einige Tage später fiel mir der "Usquart Castle Chronicle" in die Hände und ich las erstaunt, dass dem Schiff "Rival III" am vorigen Tag ein Sonarkontakt mit einem riesigen Objekt in 480 Fuss Tiefe gelungen war:

Das machte mich natürlich neugierig und ich begab mich sofort an die Stelle der Sichtung, die mir merkwürdig bekannt vorkam und dann fiel mir ein, dass ich dort zuletzt getaucht hatte! Nach allen bisherigen Beschreibungen handelte es sich bei Nessie um ein sehr langes, schlangenartiges Wesen mit rötlichem Kopf, und damit wird auch Ihnen die Lösung des Rätsels klar sein; das Monster von Loch Ness ist, zumindest seit 1954, nichts anderes als ein wesentlicher, von meiner lieben Heidi so geschätzter Teil von mir. Bedenken Sie, ich war damals gerade 14, also in einem Alter, in dem es nicht schwer war, von mir täglich derartige Bilder zu machen:

Einige Jahre später begann ich mich mit meiner Familienchronik zu beschäftigen und stellte fest, dass die Hirtemanns seit Beginn ihrer Geschichte in fast jeder Generation mindestens einmal in der Gegend des Sees waren, angefangen mit Haegar Hirtamanus im Jahre 565, dessen Bad im See vom verschreckten Abt Adamnan von Iona überliefert wurde, bis hin zu meinem Urgrossvater Heinrich Hirtemann, der, obwohl schon ziemlich betagt, in den frühen dreissiger Jahren für die ersten Filmaufnahmen von "Nessie" sorgte:

Da die männlichen Hirtemanns schon immer wegen ihrer besonderen Qualitäten von vielen gefürchtet und beneidet wurden, dauerte es gar nicht lange, bis die Rachsucht wilde Geschichten in Umlauf brachte, die sich bis heute in solchen und ähnlichen Bildern niederschlagen:

Sie, liebe Freunde, kennen nun aber die ganze Wahrheit und wenn Sie Glück haben, sind Sie auch zur selben Zeit in Schottland wie ich, der ich die Familientradition in unregelmässigen Abständen weiterführe, zuletzt 1997:

und haben die Gelegenheit, "Nessie" zu sehen, wenn auch nicht so nahe wie meine liebe Frau Heidi.

Herzlichst

Ihr Prof. Dr. Hans Hirtemann